Asbestgefährdung bei Elektroarbeiten

Asbestgefährdung bei Elektroarbeiten

Noch 25 Jahre nach dem bundesweiten Asbestverbot beschäftigt das Thema Arbeitsschützer, Umweltschützer und Ärzte. Auch Beschäftigte in Elektroberufen können von Asbestrisiken betroffen sein.

Asbest: eine permanente Gefahr im Altbau

Asbest war als Baustoff jahrzehntelang sehr beliebt. Seine Eigenschaften wie Hitzebeständigkeit, Chemikalienresistenz und hohe Elastizität, dazu thermische wie elektrische Isolierfähigkeit ermöglichten eine Fülle von Anwendungen. Ob Dachplatten oder Wandverkleidungen, Spachtelmassen oder Rohrdämmungen, bis zum Asbestverbot 1993 wurden in Deutschland rund 4,4 Millionen Tonnen Asbest verbaut.

Die Gesundheitsrisiken, insbesondere die krebserzeugende Wirkung der Asbestfasern, sind lange bekannt. Jeder, der mit asbesthaltige Materialien umgeht, sie bearbeitet oder entsorgt, ist gefährdet. Dies betrifft insbesondere Unternehmen, die mit Sanierungen oder Abriss zu tun haben, zudem neben Dachdeckern oder Aufzugsbauern auch Elektroinstallationsbetriebe. Bei Elektroarbeiten in Gebäuden, die vor 1993 errichtet wurden, müssen Sie sich stets bewusst sein, dass Asbestgefahren lauern könnten.

Darum sind auch Elektroberufe betroffen

Das Risiko, bei elektrotechnischen Tätigkeiten auf Asbest zu stoßen, besteht bei ganz unterschiedlichen Aufgaben, z.B.:

  • Der überdachte Fahrradabstellplatz einer Wohnanlage soll mit einer Beleuchtung versehen werden. Schon beim Säubern der Wellplatten mit dem Hochdruckreiniger werden Fasern freigesetzt, erst recht beim Schleifen oder Anbohren und dem Verlegen von Leitungen.
  • Auf dem Dach einer Scheune soll eine Solaranlage montiert werden. Dabei sind Stäube kaum zu vermeiden. Bestehen die Dachplatten aus Asbestzement, enthalten die Stäube krebserzeugende Asbestfasern.
  • Bei Umbauarbeiten in einem Gewerbebetrieb wird eine nicht mehr benötigte Abstellkammer zum neuen Serverraum. Hinter der abgehängten Zwischendecke müssen jede Menge Strom- und Datenleitungen verlegt werden. Enthalten die Deckenplatten Asbest, werden bei jeder Bearbeitung oder Beschädigung Fasern freigesetzt.

Auch beim Arbeiten an Elektroleitungen, die durch asbesthaltige Brandabschottungen geführt sind, müssen Sie mit Asbestrisiken rechnen. Selbst die Verkleidung älterer Elektroschränke oder Nachtspeicheröfen können Asbest enthalten.

Das sollten Elektrofachkräfte zu Asbest wissen

  • Auch wenn in manchen Fällen wie etwa Wellplatten aus Eternit das Bewusstsein für die Asbestrisiken inzwischen gewachsen ist, sind viele asbesthaltige Materialien nicht ohne Weiteres zu erkennen. Denn Asbest war (und ist!) in rund 3.500 verschiedenen Produkten enthalten. Gerade bei einem Putz oder einem Wandbelag hat der Laie kaum eine Chance, per Augenschein und ohne Beprobung asbestverdächtige von unverdächtigen Materialien zu unterscheiden.
  • Auch wenn viele Gebäude inzwischen aufwendig saniert wurden, betrifft dies kaum mehr als 10 Prozent des jemals in Deutschland verbauten Asbestes. Im Altbau müssen Sie stets mit dem Vorkommen von Asbest in der einen oder anderen Form rechnen.
  • Jede mechanische Bearbeitung wie Bohren oder Mauernutfräsen setzt auch in starkgebundenem Asbest Fasern frei. Das sind jedoch häufig gerade die Tätigkeiten, die im Altbau nicht selten vorkommen, wenn z.B. eine Elektroinstallation erneuert werden soll.
  • Aus schwachgebundenen Asbestformen lösen sich Asbestfasern noch viel leichter, auch ohne mechanische Bearbeitung. Hier kann selbst bei Reinigungsarbeiten oder dem Inspizieren eines Kabelschachts bereits ein Risiko bestehen.

Asbestrisiken bedürfen besonderer Schutzmaßnahmen

Die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) verbietet das „Arbeiten an asbesthaltigen Teilen von Gebäuden, Geräten, Maschinen, Anlagen, Fahrzeugen und sonstigen Erzeugnissen.“ Sie regelt jedoch auch einige Ausnahmefälle wie Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten (ASI).

Als Grundlage aller Schutzmaßnahmen dient die Gefährdungsbeurteilung. Dazu kommen viele weitere Voraussetzungen für Asbestarbeiten wie Anzeigepflicht gegenüber der Behörde, Anforderungen an die Sachkunde, Absaugung, Personenschleusen, Duschen usw. Bei dem hier vorgegebenen Aufwand kommen Elektrobetriebe in eine Zwickmühle. Denn einerseits ist Asbest weit verbreitet, schwer zu erkennen und der Arbeitgeber muss seine Mitarbeiter vor der Gefährdung schützen. Andererseits wären Elektrosanierungen kaum mehr durchführbar, wenn man jeden Elektroarbeiter für das Setzen einer neuen Steckdose in „Astronauten-Montur“ durch Schleusen und Duschen schicken müsste.

Hilfreich für den konkreten Fall ist ein Blick in die TRGS 519, welche die Anforderungen der Gefahrstoffverordnung konkretisiert. Diese Technische Regel definiert u.a. ASI-Arbeiten sowie „Tätigkeiten mit geringer Exposition“ und „Tätigkeiten geringem Umfangs“. Denn nicht bei allen Arbeiten wird das gesamte Spektrum an Schutzmaßnahmen notwendig, unter bestimmten Voraussetzungen sind Erleichterungen vorgesehen. Dies gilt insbesondere dann, wenn Sie emissionsarme Verfahren nutzen.

Solche Standard-Verfahren für Arbeiten mit geringer Exposition finden Sie in der DGUV Information 201-012. Hier sowie in der Liste der neu aufgenommenen anerkannten Verfahren werden viele verschiedene Tätigkeiten wie Bohren, Schleifen, Ausstanzen oder Abstemmen aufgeführt, die auch im Rahmen von Elektroarbeiten notwendig werden können.

Wichtig zu wissen ist: In der TRGS 519 geht es allein um den Umgang mit Asbest bei ASI-Tätigkeiten. Das Montieren einer Solaranlage – ob Photovoltaik oder Solarthermie, ob mit Unterkonstruktion oder aufgeständert – ist keine Instandhaltungsmaßnahme und fällt daher nicht unter die in der Gefahrstoffverordnung genannten Ausnahmen. Damit ist das Anbringen einer Solaranlage auf einem Asbestzementdach grundsätzlich verboten. Die Behörden können unter bestimmten Voraussetzungen Ausnahmefälle zulassen. Ansonsten bleibt nur Rückbau und Entsorgung durch eine Fachfirma und das Anbringen der Solartechnik auf einem neu eingedeckten Dach.

Autor: Dr. Friedhelm Kring

Quelle: https://www.elektrofachkraft.de/sicher-arbeiten/asbestgefaehrdung-bei-elektroarbeiten#ixzz5PfkcaKR5

Anforderungen an in der Elektrotechnik Tätige

Anforderungen an in der Elektrotechnik Tätige

Die Norm DIN VDE 1000-10 beschreibt die Anforderungen an in der Elektrotechnik Tätige
Die Norm DIN VDE 1000-10 beschreibt die Anforderungen an in der Elektrotechnik Tätige. (Bildquelle: kadmy/iStock/Getty Images)

Elektrotechnische Arbeiten sind mit Gefahren verbunden, die zu schweren Sach- oder gar Personenschäden führen können. Daher sind bestimmte elektrotechnische Qualifikationen, wie eine fachliche Ausbildung, klar definierte Aufgabengebiete und Kenntnisse von Normen und Vorschriften Voraussetzungen für die Ausführung dieser Tätigkeiten.

Bereits seit der ersten Fassung der Norm DIN VDE 1000-10 vom Mai 1995 sind die Begriffe Elektrofachkraft, elektrotechnisch unterwiesene Person und verantwortliche Elektrofachkraft definiert.

Im Abschnitt 4 der DIN VDE 1000-10 ist nachzulesen:

„Elektrofachkraft ist, wer aufgrund seiner fachlichen Ausbildung,
Kenntnisse und Erfahrungen sowie Kenntnis der einschlägigen Normen die ihr übertragenen Arbeiten beurteilen und mögliche Gefahren erkennen kann.

Elektrotechnisch unterwiesene Person ist, wer durch eine Elektrofachkraft über die ihr übertragenen Aufgaben und die möglichen Gefahren bei unsachgemäßem Verhalten unterrichtet und erforderlichenfalls angelernt sowie über die notwendigen Schutzeinrichtungen und Schutzmaßnahmen belehrt wurde.

Verantwortliche Elektrofachkraft ist, wer als Elektrofachkraft die Fach- und Aufsichtsverantwortung übernimmt und vom Unternehmer dafür beauftragt ist.“

Aufgaben der Elektrofachkraft

Der nachfolgend wiedergegebene Abschnitt 1 „Anwendungsbereich“ der Norm DIN VDE 1000-10 verdeutlicht, dass Elektrofachkräfte nicht nur handwerkliche Arbeiten vor Ort ausführen.

„Diese Norm gilt für die fachlichen Anforderungen an die im Bereich der Elektrotechnik tätigen Personen, die im Rahmen ihrer Aufgaben Tätigkeiten ausführen, die von Bedeutung für die elektrische Sicherheit sind, z.B. für das:

a) Planen, Projektieren, Konstruieren

b) Einsetzen von Arbeitskräften

c) Errichten

d) Prüfen

e) Betreiben

f) Ändern“

Im Abschnitt 5 „Anforderungen“ wird weiterhin Folgendes festgelegt:

„5.1: Die Tätigkeiten nach Abschnitt 1 dürfen grundsätzlich nur von Elektrofachkräften selbstständig, von anderen Personen nur unter Leitung und Aufsicht von Elektrofachkräften durchgeführt werden, wobei den jeweiligen Tätigkeitsmerkmalen je nach Schwierigkeitsgrad entsprechend abgestufte Qualifikationsmerkmale zuzuordnen sind.“

Welche Ausbildung ist für Elektrofachkräfte erforderlich?

Hierzu steht in DIN VDE 1000-10 im Abschnitt 5.2:

„Die Anforderung nach der fachlichen Ausbildung für bestimmte Tätigkeiten auf dem Gebiet der Elektrotechnik ist in der Regel durch den Abschluss einer der nachstehend genannten Ausbildungsgänge des jeweiligen Arbeitsgebietes der Elektrotechnik erfüllt:

  1. Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf zum Gesellen/zur Gesellin oder zum Facharbeiter/zur Facharbeiterin,
  2. Ausbildung zum staatlich geprüften Techniker/zur staatlich geprüften Technikerin,
  3. Ausbildung zum Industriemeister/zur Industriemeisterin,
  4. Ausbildung zum Handwerksmeister/zur Handwerksmeisterin,
  5. Ausbildung zu Diplomingenieur/zur Diplomingenieurin.“

Was gilt für die verantwortliche Elektrofachkraft?

In DIN VDE 1000-10 heißt es im Abschnitt 5.3:

„Für die verantwortliche fachliche Leitung eines elektrotechnischen Betriebes oder Betriebsteiles ist eine verantwortliche Elektrofachkraft nach 4.1 erforderlich und grundsätzlich eine Ausbildung nach 5.2 b) oder 5.2 c) oder 5.2 d) oder 5.2 e) Voraussetzung.“

Dies erfüllen Techniker, Industriemeister, Handwerksmeister oder Diplomingenieure – nicht jedoch Gesellen bzw. Facharbeiter.

In Abschnitt 6 dieser Norm finden sich Aussagen zur Verantwortlichkeit. Kernaussage des Abschnitts: Für die elektrotechnische Sicherheit ist nur die verantwortliche Elektrofachkraft und nicht die disziplinarisch übergeordnete Person verantwortlich.

Zur Veranschaulichung sei folgende Situation geschildert:

Aus der Praxis kam im Laufe der Jahre immer wieder die folgende Forderung:

Einem Elektrogesellen, der schon seit Jahren in dem elektrotechnischen Betriebsteil eines Industriebetriebs tätig ist und dessen verantwortlicher Leiter, z.B. Meister (verantwortliche Elektrofachkraft), in den Ruhestand geht, sollte die Fortführung dieses elektrotechnischen Betriebsteils gestattet sein, da er aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit im betreffenden Betrieb mit allen elektrotechnischen Einrichtungen bestens vertraut ist.

Die Entscheidung dazu kann nur durch die Betriebsleitung erfolgen – wenn nötig, kann eine verantwortliche Elektrofachkraft (z.B. Meister eines außenstehenden Elektroinstallationsbetriebs) als Berater hinzugezogen werden.

Aber auch bei einer entsprechenden fachlichen Qualifikation des Gesellen kann die Ausnahmeregelung nur für den Betriebsunterhalt gelten, nicht jedoch für Neuinstallationen. Ebenso kann diese Ausnahme nicht in Anspruch genommen werden, wenn in dem betreffenden elektrotechnischen Betriebsteil noch weitere Elektrofachkräfte tätig sind, also wenn für die Leitung eine Fach- und Führungsverantwortung erforderlich ist.

Es ist unstrittig, dass für die fachliche Leitung und Führung eines elektrotechnischen Betriebs Kenntnisse erforderlich sind, die eine Elektrofachkraft mit dem Abschluss eines Ausbildungsberufs der Elektrotechnik als Geselle/Facharbeiter oder einer entsprechenden durch langjährige Tätigkeit gleichzusetzenden Qualifikation nicht besitzt.

Autoren: Dr.-Ing. Peter Hasse, Dipl.-Ing. Walter Kathrein

Der Beitrag wurde im August 2018 aktualisiert.

Quelle: https://www.elektrofachkraft.de/qualifikationen/anforderungen-an-in-der-elektrotechnik-taetige#ixzz5PfwfLHJ6

Pflichtenübertragung in der Elektrosicherheit

Leitungs- und Aufsichtsaufgaben können einer verantwortlichen Elektrofachkraft übertragen werden.
Leitungs- und Aufsichtsaufgaben können einer verantwortlichen Elektrofachkraft übertragen werden.
Leitungs- und Aufsichtsaufgaben können einer verantwortlichen Elektrofachkraft übertragen werden. (Bildquelle: RGtimeline/iStock/Thinkstock)

Pflichten des Arbeitgebers

Zu den Pflichten des Arbeitgebers gehören u.a.:

  • Ergreifen allgemein präventiver Maßnahmen durch organisatorische Maßnahmen für sichere Arbeitsabläufe, Arbeitsmittel, Maschinen und Geräte
  • Überprüfung der Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit, bei Bedarf Anpassung
  • Gewährleistung, dass sämtliche Arbeitsschutzvorschriften im Unternehmen beachtet und eingehalten werden
  • Schaffung effizienter Organisationsstrukturen
  • Vorgeben von Leitlinien für die betriebliche Sicherheitsarbeit
  • Überwachen von Vorgaben und Anweisungen
  • Unterrichtung der Beschäftigten über Pflichten und Verantwortung

Die verantwortliche Elektrofachkraft

Wenn der für den Arbeitsschutz verantwortliche Arbeitgeber keine Elektrofachkraft ist und sich auch unter den Führungskräften nur elektrotechnische Laien befinden, muss er die Leitungs- und Aufsichtsaufgaben gemäß der DGUV Vorschrift 3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ auf eine Elektrofachkraft delegieren. Diese wird damit zur verantwortlichen Elektrofachkraft entweder für den gesamten Betrieb, Betriebsteile oder eine elektrische Anlage. Für diesen bestimmten Bereich übernimmt die verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK) dann die Verantwortung und fachliche Leitung.

Nach erfolgter Pflichtenübertragung nehmen die beauftragten Mitarbeiter in dem zugewiesenen Kompetenz- und Verantwortungsbereich die vom Arbeitgeber übertragenen Aufgaben wahr.

Jede Elektrofachkraft ist verantwortlich

Lassen Sie sich von der Bezeichnung „verantwortliche“ Elektrofachkraft nicht irritieren.

Jede Elektrofachkraft trägt Fachverantwortung.
Jede Elektrofachkraft trägt Fachverantwortung.
Jede Elektrofachkraft trägt Fachverantwortung. (Bildquelle: lisafx/iStock/Thinkstock)

Denn selbstredend übernimmt nicht nur die verantwortliche Elektrofachkraft Verantwortung: grundsätzlich trägt jede Elektrofachkraft, d.h. alle

  • Elektrofachkräfte (EFK),
  • Elektrofachkräfte für festgelegte Tätigkeiten (EFKffT) und die
  • elektrotechnisch unterwiesenen Personen (EuP)

eine persönliche Fachverantwortung für ihr Tun bzw. Nicht-Tun (Unterlassen). Zweifellos trägt aber die verantwortliche Elektrofachkraft in besonderer Weise Fach- und Führungsverantwortung.

VEFK ist nicht weisungsgebunden

Im Unterschied zu den anderen Elektrofachkräften ist die verantwortliche Elektrofachkraft allerdings nicht weisungsgebunden, d.h. sie muss sich in ihrem Verantwortungsbereich niemandem unterordnen und keine Anweisungen von Personen befolgen, die nicht entsprechend der VDE 1000-100 selbst als verantwortliche Elektrofachkraft gelten.

Hier ist die verantwortliche Elektrofachkraft unverzichtbar

Jeder Betrieb, der unter den Geltungsbereich der VDE 1000-10:2009-01 (VDE 1000-10) fällt, ist verpflichtet, eine verantwortliche Elektrofachkraft zu bestellen. Betroffen sind danach alle Betriebe, die über einen elektrotechnischen Betrieb bzw. einen elektrotechnischen Betriebsteil verfügen.

Die verantwortliche Elektrofachkraft leitet den elektrotechnischen Betriebsteil.
Die verantwortliche Elektrofachkraft leitet den elektrotechnischen Betriebsteil. (Bildquelle: phadventure/iStock/Thinkstock)

Die VDE 1000-10 benennt in ihrem ersten Abschnitt diejenigen Tätigkeiten, die von Bedeutung für die elektrische Sicherheit sind und damit einem elektrotechnischen Betriebsteil gleichzusetzen sind. Das gilt z.B. für das:

  1. Planen, Projektieren, Konstruieren
  2. Einsetzen von Arbeitskräften
  3. Errichten
  4. Prüfen
  5. Betreiben
  6. Ändern

Rechtsgrundlagen für die Pflichtenübertragung

Die gesetzliche Grundlage der Pflichtenübertragung im Arbeitsschutz bildet § 13 Absatz 2 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG).

Die Pflichtenübertragung bezogen auf die Unfallverhütungsvorschriften ist in § 13 DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“ fast wortgleich zu § 13 Abs. 2 ArbSchG formuliert.

Weitere rechtliche Grundlagen dazu sind im Ordnungswidrigkeitenrecht, im Strafgesetzbuch und im Zivilrecht zu finden.

ArbSchG und DGUV Vorschrift 1 regeln die Pflichtenübertragung.
ArbSchG und DGUV Vorschrift 1 regeln die Pflichtenübertragung. (Bildquelle: serezniy/iStock/Thinkstock)

Unternehmer hat immer Auswahl- und Aufsichtsverantwortung

Der Unternehmer ist nie von jeglicher Verantwortung frei, weil bei ihm als Delegierendem stets die Auswahl- und Aufsichtsverantwortung bleibt. Denn er muss sicherstellen, dass die Beauftragten über die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, um die übertragenen Pflichten erfüllen zu können. Und er ist es auch, der eine sorgfältige Auswahl zu treffen hat und kontrollieren muss, ob die übertragenen Pflichten auch erfüllt werden.

Bei der Auswahl des richtigen Personals gilt es zunächst zu prüfen, ob die in Aussicht genommene Person die angedachten Aufgaben des Arbeits- und Gesundheitsschutzes zuverlässig und fachkundig erledigen kann.

Zuverlässig ist eine Person, wenn zu erwarten ist, dass sie die Aufgaben mit der gebotenen Sorgfalt ausführen wird.

Fachkundig ist eine Person, wenn sie über das einschlägige Fachwissen und die praktische Erfahrung verfügt, um die übertragenen Aufgaben sachgerecht zu erledigen.

Aufgaben und Kompetenzen unmissverständlich festlegen

Wichtig ist immer, dass die delegierten Aufgaben und Kompetenzen klar und unmissverständlich festgelegt werden. Es sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass die übertragenen Pflichten nicht mit den arbeitsvertraglichen Pflichten kollidieren, sondern diese sinnvoll ergänzen.

Dokumentieren Sie die Aufgaben der verantwortlichen Elektrofachkraft.
Dokumentieren Sie die Aufgaben der verantwortlichen Elektrofachkraft. (aus elektrofachkraft.de – Das Magazin)

Aufgaben und Befugnisse müssen und sollten detailliert dokumentiert werden. Je detaillierter Art und Umfang der Aufgaben und Befugnisse beschrieben sind, die an den Beauftragten delegiert werden sollen, desto leichter fällt es diesem, zu beurteilen, ob er der Aufgabe gewachsen ist.

Varianten der Pflichtenübertragung

Es gibt einige Varianten, die rechtlich korrekte Pflichtenübertragung vorzunehmen. Sie kann z.B.:

  • im Arbeitsvertrag selbst erfolgen,
  • während des laufenden Arbeitsverhältnisse durch eine spezielle Einzelvereinbarung erfolgen,
  • durch einen Zusatz zum Arbeitsvertrag vereinbart werden oder
  • im Rahmen einer Änderungskündigung vorgenommen werden.

Autor: Lic. jur./Wiss. Dok. Ernst Schneider

Quelle: https://www.elektrofachkraft.de/qualifikationen/pflichtenuebertragung-elektrosicherheit#ixzz5PfxSOeRM

Das darf die elektrotechnisch unterwiesene Person

Die EuP arbeitet immer unter Leitung und Aufsicht einer EFK
Die EuP arbeitet immer unter Leitung und Aufsicht einer EFK (Bildquelle: :lisafx/iStock/Getty Images)

Die elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP) an sich ist nichts Neues. Definiert ist sie bereits seit 1979 in nahezu unveränderter Form z.B. in der DIN VDE 0105-100. Dennoch besteht immer wieder Unsicherheit darüber, was den Einsatz einer EuP angeht und welche Tätigkeiten sie ausführen darf.

Wer ist eine elektrotechnisch unterwiesene Person?

Eine elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP) ist, wer durch eine Elektrofachkraft (EFK) über die ihr übertragenen Aufgaben und die möglichen Gefahren bei unsachgemäßem Verhalten unterrichtet und erforderlichenfalls angelernt sowie über die notwendigen Schutzeinrichtungen und Schutzmaßnahmen belehrt wurde.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Jedoch haben sich die rechtlichen Rahmenbedingungen im Laufe der Zeit verändert.

Als Wichtigstes ist hier die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) zu nennen, die den Unternehmer persönlich verantwortlich macht.

Die Verantwortung liegt beim Unternehmer

Da der Unternehmer in der Regel nicht die nötige fachliche Qualifikation einer verantwortlichen Elektrofachkraft (VEFK) aufweist, muss er zur Erfüllung seiner Sorgfaltspflicht die fachliche Verantwortung an eine geeignete Person delegieren.

Dabei trägt er die Auswahlverantwortung, dass die von ihm beauftragten Personen ihrer Aufgabe entsprechend qualifiziert sind.

Eine weitere Hierarchiestufe unterhalb der eigenverantwortlich handelnden Elektrofachkraft stellt die elektrotechnisch unterwiesene Person dar.

Die EuP arbeitet immer unter der Aufsicht einer Elektrofachkraft

Sie kann nur unter Leitung und Aufsicht einer übergeordneten Elektrofachkraft (Paten) tätig werden. Die Verantwortung für die Sicherheit und Qualifikation wie auch die Qualität der Arbeit bleibt immer bei dem Paten.

Auch hier gilt das Prinzip der Auswahlverantwortung. Die Elektrofachkraft hat dafür Sorge zu tragen, dass die EuP nur mit den für sie geeigneten Aufgaben beauftragt wird. Die EFK muss sich auch vergewissern, dass sie die erforderlichen Kenntnisse besitzt und die Arbeiten richtig und vollständig durchführt.
Die Art der Tätigkeiten und erforderlichen Handlungen sind durch geeignete Arbeitsanweisungen exakt festzulegen. Ebenso gehört eine örtliche Einweisung und schriftliche Bestellung inklusive eines Tätigkeitsprofils dazu.

Merke! Eine elektrotechnisch unterwiesene Person für alles und jedes gibt es nicht!

Aufgaben einer elektrotechnisch unterwiesenen Person

Schalten

Die Erfindung der elektrotechnisch unterwiesenen Person sollte es ermöglichen, einfachste elektrotechnische Tätigkeiten auch von einer„nicht-Elektrofachkraft“ durchführen zu lassen.
So gehören zu den klassischen Aufgaben einer EuP das Betätigen von Leitungsschutzschaltern, Fehlerstrom-Schutzschalter (RCDs) oder das Wechseln von Sicherungseinsätzen und Leuchtmitteln. Ebenso das Rücksetzen von Not-Aus-Einrichtungen oder Schutzgeräten wie Motorschutzschaltern. Darin begründet sich auch die Nachrüstpflicht des teilweisen Berührungsschutzes für Bedienvorgänge in Schaltanlagen seit 1983.

Auswechseln von Sicherungen

Elektrotechnisch unterwiesene Personen dürfen, genauso wie Laien, Schraubsicherungen bis 63 A wechseln. Zusätzlich dürfen sie auch Einsätze des Niederspannungs-Hochleistungs-Sicherungssystems in stromlosen Kreisen sowie in stromführenden Kreisen wechseln, wenn dies mittels Sicherungslasttrennschalter erfolgt.

Das Wechseln von frei geführten NH-Sicherungseinsätzen unter Last kann normativ betrachtet ebenfalls von elektrotechnisch unterwiesenen Personen durchgeführt werden.

Jedoch ist angesichts der dabei drohenden Gefahren eine Gefährdungsbeurteilung im Einzelfall sowie umfangreiche Schutzausrüstung erforderlich. Ob die Qualifikation der EuP dafür tatsächlich ausreicht, liegt in der Auswahlverantwortung der vorgesetzten Elektrofachkraft.

Wichtig! Im Schadensfall kann diese sich nicht darauf berufen „dass elektrotechnisch unterwiesene Personen das doch können und dürfen“ – die Elektrofachkraft selbst hat dafür Sorge zu tragen, dass die elektrotechnisch unterwiesene Person den übertragenen Aufgaben gewachsen ist!

Sicherungswechsel an offenen NH-Sicherungsgerüsten bei fließenden Strömen (Arbeiten in der Nähe von aktiven Teilen) gehören in den Zuständigkeitsbereich von Elektrofachkräften.

Je nach Tätigkeit muss (dem Grundsatz der DIN VDE 0105-100 entsprechend) intensiv geschult werden, um mögliche Gefahren erkennen zu können. Dazu gehört natürlich auch eine intensive örtliche Anlageneinweisung. Eine kurze 10-minütige „Alibi“-Unterweisung, wie es in der Praxis leider sehr oft gehändelt wird, reicht hier mit Sicherheit nicht aus.

Prüfen

Bezüglich der Prüfung ist zunächst zu unterscheiden zwischen dem einfachen Erproben von Schutzeinrichtungen, wie sie seitens der Berufsgenossenschaften je nach Umfeld monatlich, wöchentlich oder arbeitstäglich gefordert wird sowie Wiederholungsprüfungen an elektrischen Arbeitsmitteln.

Ersteres meint das Betätigen der Prüftaste am Fehlerstrom-Schutzschalter (RCD) und verlangt keine weiteren Messmittel oder besonderes Urteilsvermögen. Diese Aufgabe kann durchaus von elektrotechnisch unterwiesenen Personen oder jedem anderen Benutzer wahrgenommen werden.

Anders stellt es sich bei der Wiederholungsprüfung von elektrischen Betriebsmitteln (Arbeitsmitteln) dar.

Für die Wiederholungsprüfung elektrischer Betriebsmittel ist nach Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) und der Technischen Regel für Betriebssicherheit TRBS 1203 die befähigte Person erforderlich. Diese muss durch Ausbildung, Kenntnisse und Erfahrungen hinreichend befähigt sein. Denn es gilt, die angezeigten Messwerte hinsichtlich drohender Gefahren für den Prüfer wie auch Anwender richtig einschätzen zu können.

Dafür ist eine breite Normkenntnis sowie umfangreiches Hintergrundwissen und ein Beherrschen der elektrotechnischen Grundlagen erforderlich. Selbst eine Elektrofachkraft steht hier oft vor einer komplexen Aufgabe.

Eine elektrotechnisch unterwiesene Person kann nur als Verrichtungsgehilfe in der Durchführung der Prüfung von elektrischen Arbeits- und Betriebsmitteln unterstützen, Beurteilung und Verantwortung obliegen immer einer Elektrofachkraft bzw. einer befähigten Person.

Vorsicht bei „o.k.“/„nicht o.k.“-Messgeräten!

Im Gegensatz zu den oben stehenden Vorgaben propagieren viele Messgeräte-Hersteller, wie auch in etwas abgeschwächter Form die DGUV Vorschrift 3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ (ehemals BGV A3), eine mögliche Prüfung durch elektrotechnisch unterwiesene Personen bei Verwendung automatisierter Prüfabläufe und vermeintlich eindeutiger „rot-grün-Anzeigen“ der verwendeten Messgeräte.

Dabei stützen sie sich auf die Durchführungsanweisung zu § 5 der DGUV Vorschrift 3 (BGV A3):

„Stehen für die Mess- und Prüfaufgaben geeignete Mess- und Prüfgeräte zur Verfügung, dürfen auch elektrotechnisch unterwiesene Personen unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft prüfen.“

Leider wurde sehr häufig die Bedingung „unter Leitung und Aufsicht“ vernachlässigt. Nach der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) und TRBS 1203 Teil 3 dürfen elektrotechnisch unterwiesene Personen die Messgeräte bedienen.

Sie helfen dabei jedoch nur der Elektrofachkraft bzw. der befähigten Person in der Gerätebedienung. Eine eigenverantwortliche Prüfaussage können und dürfen sie nicht treffen. Diese abschließende Beurteilung bleibt immer Aufgabe der Elektrofachkraft oder der übergeordneten befähigten Person, die auch persönlich dafür gerade steht.

Messen

Unberührt davon bleibt das Messen im Rahmen des Feststellens der Spannungsfreiheit und der Störungssuche in Hilfsstromkreisen.

Typische Messmittel
Typische Messmittel

Dabei muss besonders auf den Einsatz geeigneter Messgeräte geachtet werden. Je nach Einsatzgebiet können Messgeräte der Überspannungskategorie CAT III/CAT IV erforderlich sein.

Ein Feststellen der Spannungsfreiheit ist – nicht zuletzt zum Eigenschutz – auch der EuP gestattet.

Was bedeutet „unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft“?

Unter „Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft“ ist nicht zu verstehen, dass diese ständig zugegen sein muss; sie muss sich vielmehr in angemessenen Zeitabschnitten davon überzeugen, dass die erteilten Anweisungen beachtet werden und sicherheitsgerecht gearbeitet wird.

Die Elektrofachkraft ist insoweit für die übertragenen Tätigkeiten verantwortlich.

Was sind angemessene Zeitabschnitte?

Hier ist ein unbestimmter Begriff zur Anwendung gelangt. Was bedeutet „angemessene Zeitabschnitte“ in der Praxis? Die Elektrofachkraft oder die verantwortliche Person muss mit Geschick und Verstand, am besten anhand einer Gefährdungsbeurteilung, passende Intervalle für die jeweilige Tätigkeit, die eine elektrotechnisch unterwiesene Person ausübt, ermitteln.

Eine globale Aussage kann hier nicht getroffen werden. Ein Zeitintervall von einem Jahr, wie es in der einen oder anderen Fachpresse zu lesen war, ist auf keinen Fall haltbar. Bei einem Unfall würde ein so großes Intervall von Leitung und Aufsicht einen sehr negativen Beigeschmack für die Elektrofachkraft oder die verantwortliche Person mit sich bringen!

Fazit

Mit Einführung der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) und den konkretisierenden Technischen Regeln für Betriebssicherheit ist der Arbeitsschutz in den unmittelbaren Regulierungsbereich des Staates gerückt. Dort getroffene Festlegungen haben Gesetzescharakter und damit Vorrang vor weniger streng gefassten Regelungen der Unfallversicherer. Ein Unterschreiten der Mindestanforderungen an den verantwortlichen Prüfer ist damit per Verordnung nicht möglich.

Für alle verbleibenden Tätigkeiten der elektrotechnisch unterwiesenen Person ist immer die vorgesetzte Elektrofachkraft (Pate) mit im Boot. Ein eigenverantwortliches Handeln ist nicht möglich. Da dieser Personenkreis demnach nur einen begrenzten Wissenstand hat, muss mit dem Begriff elektrotechnisch unterwiesene Person gedanklich immer der Zusatz „unterwiesen für eine bestimmte Arbeit“ verbunden werden.

Eine elektrotechnisch unterwiesene Person ersetzt in keinem Fall eine Elektrofachkraft bzw. befähigte Person, aber sie kann die Elektrofachkraft bzw. die befähigte Person im Betrieb sehr wirksam unterstützen!

Autoren: Thorben Gruhl und Michael Lochthofen, Team MEBEDO Akademie

Artikel aktualisiert im Juli 2018

Quelle: https://www.elektrofachkraft.de/qualifikationen/einsatzmoeglichkeiten-einer-eup#ixzz5PfybRjrH

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